AugenZentrum Siegburg
MVZ ADTC Siegburg GmbH

Zertifiziert nach DIN ISO 9001:2008

Informationen zu: AugenkrankheitenUntersuchungsmethoden:Echografie (Ultraschall) Elektrookulogramm (EOG) Farbsinnprüfung Fluoreszenz-Angiografie Fundusautofluoreszenz (FAF) Fundusfotografie Ganzfeld-Elektroretinogramm (ERG) Gesichtsfeld (Perimetrie) Multifokales Elektroretinogramm (mfERG) Ophthalmoskopie (Augenspiegelung) Optische Biometrie (IOL-Master) Optische Kohärenz-Tomografie (OCT) Pachymetrie Retinale Tomografie (HRT) Visuell evozierte Potenziale (VEP) BehandlungsmethodenGesundheitspolitikDownload
Fluoreszenz-Angiografie
2012-04-21
Als Fluoreszenz bezeichnet man die Eigenschaft, dass eine Substanz bei Beleuchtung mit Licht einer bestimmten Wellenlänge ein Licht anderer Wellenlänge abstrahlt. Unter Angiografie versteht man die Darstellung von Blutgefäßen. Bei der Fluoreszenz-Angiografie erfolgt die Darstellung der Blutgefäße des Augenhintergrundes unter Ausnutzung des Phänomens der Fluoreszenz. Dazu wird zunächst ein Farbstoff (Fluorescein oder Indocyaningrün) in eine Armvene eingespritzt, der sich über die Blutbahn im ganzen Körper und auch im Auge verteilt. Mit einer speziellen Fotografie- und Filtertechnik wird der Farbstoff am Augenhintergrund durch Licht mit einer bestimmten Wellenlänge angeregt und gibt Licht mit einer anderen Wellenlänge ab, dass dann mit einer digitalen Kamera aufgezeichnet wird.

Diese Farbstoffe haben daher nichts mit den Kontrastmitteln gemein, die bei Angiografien anderer Blutgefäße mit Röntgentechnik, Computertomografie (CT) oder Kernspintomografie (MRT) eingesetzt werden. Wie alle Substanzen können auch die in der Augenheilkunde verwendeten Farbstoffe selten Nebenwirkungen haben, so dass eine Fluoreszenz-Angiografie nur dann sinnvoll ist, wenn sich bei einer vorherigen Untersuchung des Augenhintergrundes Veränderungen der Netzhaut oder der Aderhaut gezeigt haben.

Am Augenhintergrund gibt es zwei getrennte Systeme von Blutgefäßen: die Blutgefäße der Netzhaut und die Blutgefäße der Aderhaut. Krankhafte Veränderungen können an beiden Systemen auftreten. Das Ziel der Fluoreszenz-Angiografie ist es, diese Veränderungen in zeitlicher Abfolge beim Ein- und Ausströmen des Farbstoffs in den Blutgefäßen sichtbar zu machen und den einzelnen Blutgefäßsystemen zuzuordnen. Die Untersuchung erfordert eine Weitstellung der Pupille und dauert samt Vorbereitung ca. 30 Minuten.

Fluorescein-Angiografie

Nach der Untersuchung des Augenhintergrundes ist die Fluoreszenz-Angiografie mit dem Farbstoff Fluorescein die am längsten eingesetzte Methode zur Untersuchung der Struktur der Netzhaut. Verschiedene Abkürzungen werden für die Fluorescein-Angiografie verwendet, häufiger sind FA, FLA, FAG oder Angio.

Fluorescein ist ein Farbstoff, der die gesunden Blutgefäße der Netzhaut nicht verlassen kann. Dagegen wandert Fluorescein aus den kleinen Blutgefäßen der Aderhaut hinaus. Mit einer Fluorescein-Angiografie können verschiedene Veränderungen dargestellt werden: neugebildete Blutgefäße vor der Netzhaut (z.B. bei diabetischer Retinopathie) oder unter der Netzhaut (z.B. bei altersabhängiger Makuladegeneration, hoher Kurzsichtigkeit), entzündliche Veränderungen der Blutgefäße (z.B. bei Uveitis), verschlossene Blutgefäße (bei verschiedenen Gefäßerkrankungen der Netzhaut), degenerative Veränderungen (z.B. Netzhautdystrophien) oder Flüssigkeitsansammlungen in der Netzhautmitte (Makulaödem).

Bei der altersabhängigen Makuladegeneration ist die Fluorescein-Angiografie wichtig zur Entscheidung über die Möglichkeiten und die Wahl der Behandlung. Zeigen sich im Angiogramm degenerative Veränderungen ohne Farbstoffaustritt, liegt eine ‚trockene’ Makuladegeneration vor. Wenn es dagegen zu Farbstoffaustritt unter die Netzhaut kommt, spricht man von ‚feuchter’ Makula¬degeneration. Die feuchte Makuladegeneration kann weiter unterteilt werden: Ist in der Frühphase der Angiografie eine Gefäßneubildung unter der Netzhaut gut erkennbar, spricht man von ‚klassischer’ choroidaler Neovaskularisation (aus der Aderhaut stammender Gefäßneubildung, abgekürzt: CNV). Ist eine solche Gefäßneubildung nicht erkennbar, aber in der Spätphase des Angiogramms sind Farbstoffanreicherungen vorhanden, die für das Vorhandensein einer CNV spricht, bezeichnet man dies als eine ‚okkulte’ (d.h. schlecht erkennbare) CNV.
Heute ist die Fluorescein-Angiografie wesentlich bei allen Erkrankungen, bei denen es zu Flüssigkeitsansammlungen (und damit Farbstoff¬anreicherung) vor, in oder unter der Netzhaut kommt: bei Gefäßneubildungen vor oder unter der Netzhaut, bei Makulaödem, bei entzündlichen Veränderungen. Fehlen diese Flüssigkeitsansammlungen, z.B. bei den meisten vererbbaren Netzhautdystrophien oder bei trockener Makuladegeneration, ist heute die Fundusautofluoreszenz besser geeignet als die Fluorescein-Angiografie. Die Fundusautofluoreszenz ergibt zusätzliche Informationen, ist einfacher wiederholbar und vermeidet die möglichen Nebenwirkungen einer Farbstoffeinspritzung. Insbesondere bei Erkrankungen, die zu einer Netzhautverdickung führen, wie eine Makulaödem oder eine Gefäßneubildung unter der Netzhaut, ist es sinnvoll, zusätzlich oder anstelle der Fluorescein-Angiografie eine Optische Kohärenztomografie (OCT) durchzuführen.

Indocyaningrün-Angiografie

Indocyaningün (ICG) ist ein Farbstoff, der normalerweise die Netzhautgefäße und die Aderhautgefäße nicht verläßt. Mit der Indocyaningrün-Angiografie (Abgekürzt: ICGA) kann man in einigen Fällen Netzhaut- oder Aderhautveränderungen darstellen, die mit der Fluorescein-Angiografie nicht entdeckt werden können. Der Farbstoff Indocyaningrün verlässt die kleinen Blutgefäße der Aderhaut nicht und ist daher besonders geeignet, Veränderungen unter der Netzhaut in der Aderhaut festzustellen. Allerdings ist die zusätzliche Information in der Indocyaningrün-Angiografie auf wenige Fälle begrenzt, so dass diese seltener eingesetzt wird.